Apotheker als Lotsen

Digitale Technologien eröffnen Apothekern viele Potenziale

Forschungsprojekt der Universität Osnabrück

Wird es Apotheken, wie wir sie heute kennen, auch in 20 Jahren noch geben? Oder wird sich die Medikamentenabgabe zukünftig komplett ins Internet verlagern – und damit zum Tod der Apotheke vor Ort führen? Diese Fragen stellen sich viele Apotheker. Manche haben ihre Entscheidung längst getroffen und neben ihrer stationären Apotheke auch ihren eigenen Versandhandel im Internet eröffnet, beispielsweise auf Amazon.


Die Universität Osnabrück geht das Thema wissenschaftlich an, um zu erforschen, welcher Wandel der Apotheke vor Ort für eine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit erfolgen muss. Gemeinsam mit dem Apothekerverband Westfalen-Lippe e.V. und der Gesundheitsregion Euregio forscht das Fachgebiet Unternehmensrechnung und Wirtschaftsinformatik (UWI) an dem Projekt „Apotheke 2.0“ in der Modellregion Steinfurt.

Das Ergebnis ist eindeutig: „Die stationäre Apotheke hat Zukunft“, fasst Projektleiter Prof. Dr. Frank Teuteberg die bisherigen Erkenntnisse zusammen, „es empfiehlt sich allerdings, auch das Potenzial zu nutzen, das sich durch die digitalen Technologien eröffnet.“ Insbesondere für Apotheken in strukturschwachen Gebieten und im ländlichen Raum bieten die Erkenntnisse aus der „Apotheke 2.0“ wichtige Impulse.

Digitale Technologien im Gesundheitswesen – dazu gehört unter anderem ein modernes Warenwirtschaftssystem der Medikamente, idealerweise mit automatisierter Ausgabe direkt am Arbeitsplatz. Zum anderen werden die elektronische Patientenakte und das E-Rezept nicht nur die Abläufe in der Apotheke verändern, sondern auch die Rolle der Apotheker (siehe auch E-Rezept).

Apotheker bieten Orientierungshilfe

„Apotheker können eine Lotsenfunktion erhalten“, so Christian Fitte, der zusammen mit Alina Behne als wissenschaftliche Mitarbeiter federführend Studien durchführt und Projektinhalte umsetzt. „Als fachliche Ansprechpartner können Apotheker Patienten mit Beratung und Informationen unterstützen und gleichzeitig die intersektorale Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen vereinfachen.“ Zu diesen Akteuren zählt Fitte neben den Ärzten auch die Pflegeeinrichtungen.

Grundlage für die Lotsentätigkeit ist nach Ansicht der Wissenschaftler der persönliche Kontakt mit den Patienten. Er mündet bei Bedarf in eine pharmazeutische Betreuung, in Zukunft möglicherweise sogar, wenn gewünscht, per Videotelefonie.

Auf dieser Basis eröffnen sich neue Servicemöglichkeiten, die dazu beitragen, die Kundenbindung nachhaltig zu gestalten. Dazu gehört beispielsweise ein Lieferservice, der seinerseits auf einer „intelligenten, digital gestützten Routenplanung“ (Fitte) beruhen sollte. Ein derartiger Service ist nicht nur für pflegebedürftige und wenig mobile Kunden attraktiv. Auch Personen, die aufgrund ihrer beruflichen oder familiären Belastung nicht in der Lage sind, persönlich in die Apotheke zu kommen, würden ein derartiges Angebot schätzen und dafür voraussichtlich auch entsprechend zahlen.

Digitalisierung erlaubt neue Serviceangebote

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten Apotheker künftig genau wie Ärzte ihre Services individuell auf die Bedürfnisse und genetischen Eigenschaften der Patienten ausrichten. Fachleute diskutieren diese Services unter dem Begriff Stratifizierung. Aktuell bieten bereits sogenannte Schlauchblister, individuell zusammengestellte Verpackungen mit den täglichen Medikamentenrationen, ein Beispiel dafür. Speziell für pflegebedürftige oder chronisch kranke Patienten ließe sich der Lieferservice dieser Blister durch einen automatisierten Bestellvorgang ergänzen. Geht der Vorrat zur Neige, wird automatisch eine Nachricht generiert, die den Patienten oder das Pflegepersonal an ein neues Rezept erinnert.

Ein weiteres Serviceangebot sieht das Osnabrücker Team in individuellen Wechselwirkungs-Checks für Kunden. Basierend auf den ärztlichen Medikationsplänen und den Datenbanken der Hersteller ließen sich diese Checks unkompliziert digital erstellen. „Sie könnten die Sicherheit der Arzneimitteltherapie erhöhen“, erläutert Alina Behne. Abrunden ließe sich dieses Serviceangebot mit einem Medication Monitoring per Telefon oder App.

Auch die immer populärer werdenden Fitnesstracker ermöglichen nach Ansicht der Osnabrücker Forscher ein interessantes Geschäftsmodell für Apotheker: „Sie können die mit den Trackern gewonnenen Daten im Auftrag ihrer Kunden auswerten und daraus individuelle Ernährungspläne erstellen, Wechselwirkungen durch Medikamente identifizieren oder Auffälligkeiten der Vitalparameter frühzeitig erkennen“, so Alina Behne. Gleiches gilt übrigens für die Gesundheitsdaten aus der Patientenakte. „Wir gehen davon aus, dass die Versicherten Herr ihrer Daten bleiben“, so Teuteberg. Behne ergänzt: „Sie können einen Teil dieser Daten ihrem Apotheker zur Analyse zur Verfügung stellen, der daraus Ratschläge für eine gesunde Lebensführung ableitet.“

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